Sportmedizin

Überlastungssyndrome an Schulter und Ellenbogen im Sport

Beschwerden im Bereich der Schulter und des Ellenbogengelenks finden sich insbesondere bei Überkopfsportlern (Wurfsportarten wie Handball, Speerwerfen, Diskus, Hammerwerfen oder Kugelstoßen) und bei Rückschlagsportarten (Tennis, Golf etc.). Hierbei handelt es sich weniger um Folgen akuter Traumata durch Sturz oder Gegnereinwirkung, sondern wesentlich häufiger um Auswirkungen wiederholter Mikrotraumata auf Kapseln, Bänder oder Sehnen durch extreme Ausholbewegungen bzw. Beschleunigungsvorgänge. So werden zum Beispiel im Profitennis Aufschläge mit Geschwindigkeiten bis zu 230 Stundenkilometern gemessen. Beim Handball wird der etwa 450 Gramm schwere Ball von jedem Profispieler im Durchschnitt 48.000 mal pro Jahr auf 110 km/h beschleunigt. Hier werden Spitzenwerte von 130 km/h beschrieben.

Beim Ausholen zum Wurf oder Schlag werden durch die wiederholten und forcierten Schulter-Arm-Bewegungen in Abspreizung und Außendrehung – teilweise passiv verstärkt durch Gegnerkontakt

(z. B. beim Griff in den Arm des Handballers während der Wurfphase) – besonders die vordere Kapsel mit den bandförmigen Stabilisatoren belastet.

Werfer- Golferellenbogen, Epicondylitis humeri ulnaris

Bei den Fehlbelastungsfolgen des Wurfsportlers am Ellenbogen steht die Epicondylitis humeri ulnaris (sog. Werfer- oder Golferellenbogen) im Vordergrund. Der Begriff Epicondylitis umfasst akute und chronische Reizerscheinungen an den am Oberarmknochen ansetzenden Muskelursprüngen. Die Entstehung basiert auf einem Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit des Sehnenursprungs der am Epicondylus ansetzenden Muskeln. Beim „Werferellenbogen“ ist der Sehnenansatz der Handgelenksbeuger betroffen. Diese Ansatztendinosen treten am häufigsten beim Golfer, beim Speer-, Hammer- oder Diskuswerfer, beim Volleyballspieler oder beim Handballspieler auf.

Microsoft Word - Werferellenbogen Tennisellenbogen

 

Werferellenbogen

 

 

 

 

Die Epicondylitis humeri ulnaris tritt natürlich nicht nur bei Sportlern auf, sondern mindestens so häufig auch bei chronischer mechanischer Überbeanspruchung im Beruf (Handwerker, Bauarbeiter) oder im Alltag (alle greifenden Bewegungen).

Symptome

Die Betroffenen haben zunehmende Beschwerden beim Ausüben von alltäglichen oder sportlichen Tätigkeiten, so dass bereits das Anheben leichter Gegenstände nicht mehr schmerzfrei durchgeführt werden kann. Häufig kommt es zu einer Ausstrahlung der Schmerzen in die Unterarmmuskulatur. Der innere Knochenhöcker am Ellenbogen ist deutlich druck- und berührungsempfindlich.

Diagnostik

Neben der Inspektion und Untersuchung des Ellenbogens weisen Widerstandstests (z.B. Beugen der Finger und Hand und Außenrotation des Unterarmes) auf einen Werfer- oder Golferellenbogen hin. Die Sehnenansatzentzündung kann teilweise im Ultraschall als Verdickung und Schwellung dargestellt werden. In fortgeschrittenen Stadien können im Röntgen unter Umständen Verkalkungsherde im Sehnenansatzbereich oder kleine Knochenhautunregelmäßigkeiten sowie Knochenausziehungen sichtbar sein.

Therapie

Wichtig ist die frühzeitige konsequente Behandlung, da die Gefahr besteht, dass die Entzündung chronisch wird oder immer wieder auftritt.
Neben der Vermeidung von schmerzauslösenden Belastungen, intensiver Dehnung der Unterarmbeugemuskulatur und Kühlung des Ellenbogens mit Eis ist das Tragen einer sog. Epicondylitis-Bandage oder -Spange sinnvoll, um muskuläre Überbelastungen zu vermeiden. Bei ausgeprägten Beschwerden hilft oft eine gezielte Injektion eines gut verträglichen Kortison-Präparates kombiniert mit einem lokalen Betäubungsmittel. Alternativ können homöopathische Wirkstoffe (z.B. Traumeel) zum Einsatz kommen. Diese sind noch sanfter, aber keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Bei Beschwerdespitzen können örtliche antientzündliche Umschläge und die Einnahme von antientzündlichen Medikamenten (z.B. Diclofenac oder Ibuprofen) eine Besserung bewirken.
Ein guter Erfolg ist auch mit der radialen Stoßwellentherapie zu erreichen bei der hydraulische Druck-impulse auf den schmerzhaften Sehnenansatz sowie die betroffene Unterarm-Beugemuskulatur appliziert werden. Es erfolgen 3 bis 5 Behandlungen in einwöchigen Abständen mit einer Erfolgsrate von ca. 75-85%.

Wie bei allen schmerzhaften Reizzuständen am Bewegungsapparat kann auch die Akupunktur auf sanfte Art und Weise zu einer Linderung führen. Auch die Akupunktur ist keine Kassenleistung.

Weitere Therapiemöglichkeiten sind Krankengymnastik mit Querfriktionen (Dehnungsreize), physikalische Therapie mit Ultraschall, Elektrotherapie und Eisbehandlung.
Bei Versagen der konservativen Therapiemaßnahmen für 6-12 Monate ist die operative Einkerbung der Muskelansätze, das Ausräumen von entzündlich-nekrotischem Gewebe am Knochenhöcker möglich.

Tennisellenbogen (Mausellenbogen), Epicondylitis humeri radialis

Schmerzen im Bereich des Ellenbogens beim Anheben einer Kaffeetasse, beim Öffnen eines Schraubverschlusses oder beim Auswringen eines Tuches sind häufig die ersten Symptome einer oft chronisch verlaufenden Erkrankung. Die Diagnose Tennisellenbogen führt zu Verwunderung, da die meisten Betroffenen nie einen Tennisschläger in der Hand gehalten haben.

Beim Sport kommt es besonders bei Rückhandschlägen im Tennis oder beim Squash durch den Aufprall des Balles bei exzentrischer Dehnung der angespannten Muskulatur zu Impulsbelastungen der Handgelenksstrecker. Mögliche Einflussfaktoren können in falscher Griff- und Schlägerhaltung liegen. Außerdem spielen bei diesen Sportlern ein falscher Griff oder eine falsche Bespannung des Schlägers oft eine Rolle.

Epi2

Beim Tennisellenbogen liegen meist eine entzündliche, selten eine abnutzungsbedingte Veränderung der Muskelansatzstellen im Bereich des Ellenbogens vor. Am äußeren Ellenbogen haben verschiedene Muskelgruppen des Armes, der Hand und der Finger ihren Ursprung. Es sind insbesondere die Strecker der Hand und der Finger sowie die außendrehenden Muskeln.
Der Tennisellenbogen ist eine der häufigsten Erkrankungen auf orthopädischem Fachgebiet. Auslöser für die Schmerzen sind überwiegend Entzündungsveränderungen am Sehnen-Knochen-Übergang. Ursachen sind chronisch mechanische Überbeanspruchungen, heute insbesondere bei Handwerkern, bei Maschinenarbeitern und bei Arbeiten im Büro.
Die Ursache für den Tennisellenbogen ist eine monotone, meist einseitig wiederholende, manuelle Tätigkeit oder eine ungewohnte Belastung (Heckenschneiden). Weit verbreitet ist die Arbeit mit der Computermaus. Die monotone Bedienung der Tastatur ist hier eine zunehmend häufigere Ursache des Tennisellenbogens, weshalb bereits die Bezeichnung Mausellenbogen verwendet wird.
Die Betroffenen verspüren bereits Schmerzen bei der Ausführung völlig banaler Alltagstätigkeiten wie Hände schütteln oder das Anheben von Tellern oder Tassen. Im weiteren Verlauf kann es zu einer Kraftminderung der Hand- und Fingermuskulatur sowie zum Verlust der Griffstärke führen.
Am Knochenansatz der betreffenden Muskulatur lässt sich ein ausgeprägter Druckschmerz auslösen. Der Schmerz ist von stechender ausstrahlender Natur. Die Diagnose wird durch klinische, körperliche Untersuchungen und durch verschiedene Tests gestellt.

Therapie

Ist die Diagnose eindeutig gestellt, so stehen in Abhängigkeit von Dauer der schmerzhaften Tennisellenbogenerkrankung und in Abhängigkeit der Intensität verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Bei Handwerkern und Mechanikern, Straßenbauarbeitern sowie Personen, die an PC-Arbeitsplätzen tätig sind, sollte eine Überprüfung des Arbeitsplatzes erfolgen und eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung durchgeführt werden. Ggf. können durch Änderungen der Tastatur am PC, unter gelenkschonenden Haltungen große Erfolge erzielt werden.
Eine ergonomische Computermaus, eine aufklappbare Tastatur, Ablagepolster für den Unterarm sind Beispiele für eine Entlastung. Bei Bauarbeitern, die z.B. häufiger Schrauben eindrehen müssen, können auch mechanische Hilfsmittel wie elektrische Schraubenzieher zum Einsatz kommen. Sind die Beschwerden durch sportliche Fehlbelastungen ausgelöst, so ist das Erlernen der richtigen Tennis- oder Golftechnik sowie der Einsatz von vibrationsdämpfenden Hilfsmitteln oder auch Reduktion der Bespannungshärte hilfreich. Ärztlicherseits werden lokal entzündungshemmende Salbenverbände sowie schmerztherapeutische Injektionsbehandlungen, d.h. Spritzen mit örtlichen Betäubungsmitteln und niedrigdosierten entzündungshemmenden Zusätzen wie Traumeel oder/und Cortison eingesetzt. Gleichzeitig werden Entlastungsverbände wie Kinesiotaping zur Entlastung eingesetzt.

Bei muskulären Verhärtungen kann Krankengymnastik zur Balancierung der Muskelspannung und Dehnung der Muskelverhärtung in Frage kommen. Gleichzeitig werden sogenannte Querfriktionsbehandlungen, d.h. spezielle Massagetechniken im Sehnenbereich eingesetzt. Der Pat. wird angelernt lokal mittels Kälteabreibungen die Entzündung zu dämpfen und durch Dehnungen die Verhärtung der Muskulatur und Verkürzung der Sehnenansätze zu bewirken.

Mit großem Erfolg wird bei längeren Verläufen auch die Stoßwellentherapie eingesetzt.
Darüber hinaus können Elektrobehandlungen insbesondere eine sogenannte TENS (Transcutan elektrische Nervenstimulation) zur Schmerzbehandlung eingesetzt werden. Vorteilhaft ist hierbei, dass bei chronischen Verläufen der Pat. mit einem Leihgerät ausgestattet werden kann und die Behandlung täglich zu Hause selbständig durchführt.
Bandagen oder Epicondylitisspangen können bei der täglichen Arbeit oder beim Sport eine Entlastung der betroffenen Strukturen bewirken. Zur Schmerztherapie hat sich die Akupunktur-Behandlung als effizientes Verfahren erwiesen.
Trotz intensiver konsequenter Therapie kommt es bei ca. 20 % der am Tennisellenbogenschmerzsyndrom leidenden Patienten zu einem chronisch wiederkehrenden Verlauf.
In diesen Fällen sind operative Maßnahmen indiziert. Hierbei wird am häufigsten die sogenannte Operation nach Hohmann und Wilhelm eingesetzt. Diese Operation wird ambulant durchgeführt.
Unter Betäubung des Armes und in Blutleere wird die Muskulatur am Knochenansatz eingekerbt und gleichzeitig eine Denervierung (Durchtrennung der Schmerzfasern) durchgeführt. Die Arbeitsunfähigkeit nach der Operation beträgt ca. 3-4 Wochen. Die Prognose des schmerzhaften Tennisellenbogens ist in den meisten Fällen gut. Bei exakter Diagnose und konsequenter Behandlung können die meisten Patienten durch konservative Maßnahmen schmerzfrei werden, selten ist eine operative Behandlung notwendig.

epi4Operation des Tennisellenbogens